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Herbert Eberhart / Paolo J. Knill

Lösungskunst

Lehrbuch der kunst- und
ressourcenorientierten Arbeit

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2009

Die Kunst der Lösung in den Kunsttherapien

Wer künstlerisches Tun in therapeutische Settings einbezieht, muss mit der Sprache mit der gleichen Sorgfalt und Differenziertheit umgehen wie mit der Kunst. Das Intermodale Dezentrieren IDEC® ist ein methodischer Ansatz, der dieser Forderung nachkommt.

Therapieformen, in denen eine Kunstdisziplin im Zentrum steht (Tanztherapie, Maltherapie, Musiktherapie etc.) oder in denen verschiedene Künste gepflegt werden (Expressive Arts Therapy) haben die Tendenz, der Alltagssprache nur rudimentär Beachtung zu schenken. Traditionelle Therapieformen, in denen das Gespräch im Zentrum steht, tendieren umgekehrt beim Beizug von Künstlerischem dazu, die Kunst in ihrem Eigenwert zu vernachlässigen.

Wer in künstlerisches Tun 'eintaucht', und sei es auch nur für kurze Zeit, befindet sich in einer andern Wirklichkeit. Nicht nur sind hier immer alle Sinne involviert, auch die vorherrschende Logik ändert sich. Der Philosoph Merleau-Ponty (z.B. in "Phänomenologie der Wahrnehmung", 1974) spricht von einer "ästhetischen Logik" im Gegensatz zur "reflektiven Logik", die den sprachlichen Alltag beherrscht. Eberhart & Knill (in: "Lösungskunst", 2009, S.54) sprechen in diesem Zusammenhang von einer alternativen Welterfahrung. Diese Erfahrung ist 'Sinnen-voll', nämlich voller sinnlicher Erfahrungen und ist gekennzeichnet durch Imagination und Präsenz. Wer einen solchen Prozess professionell begleiten will, muss dieser alternativen Wirklichkeit Rechnung tragen.

Keine Kunsttherapie kommt ohne Sprache aus. Eine Sprache, die Kunst weitgehend in "ihrer Wirklichkeit" belässt, nähert sich dem, was die Phänomenologen angestrebt haben. Sie bleibt an der Oberfläche des sinnlich Erfahrbaren und enthält sich, so weit als möglich, jeder Interpretation.

"Künstlerisches Tun ist immer an das Werden und/oder an das Vollenden eines Werks gebunden. Beratung und Therapie sind auf diese Realität angewiesen, wenn sie nachhaltig wirken wollen." (*)

Künstlerisches Tun ist lösungsorientiert. Die adäquate Sprache ist demnach eine ressourcen- und lösungsorientierte Sprache, die der Imagination genügend Raum lässt.

Das Intermodale Dezentrieren IDEC® unterstützt in seinem methodischen Vorgehen beide Zugangsweisen zur Welt. Es fördert und animiert

  • im künstlerischen Tun

    • das sinnliche Erleben
    • die Reichhaltigkeit von Imaginationen
    • die persönliche Befähigung zu einem künstlerischen Werk

  • in der sprachlichen Formulierung Tun

    • die Reichhaltigkeit der Beschreibung
    • eine konkrete, differenzierte, spezifische Sprache
    • die Aufmerksamkeit für Bedingungen des Gelingen

* Zitat aus: Herbert Eberhart & Paolo J. Knill. Lösungskunst. Lehrbuch der kunst- und ressourcenorientierten Arbeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009