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Herbert Eberhart / Paolo J. Knill

Lösungskunst

Lehrbuch der kunst- und
ressourcenorientierten Arbeit

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2009

Lösungs- / Ressourcenorientierung und künstlerisches Tun

Die Lösungs- und Ressourcenorientierung ist die adäquate Basis auf der Kunst und künstlerisches Tun in den Beratungs- oder Therapieprozess miteinbezogen werden können.

Die Lösungs- und Ressourcenorientierung lebt von drei Dingen: Erstens einem konstruktivistischen Grundverständnis, zweitens einer Grundhaltung andern Menschen gegenüber, die sich vor allem in der Beziehungsgestaltung äussert und drittens - von Fragen. Viele ressourcenorientierte Fragen lösen Antworten aus,  welche die Person des Klienten in einem neuen Licht erscheinen lassen. Das Besondere daran ist, dass der Klient selber diese Antworten gibt. Es sind Selbstaussagen, und zwar begründete Selbstaussagen. Es handelt sich nicht um das Feedback eines wohlmeinenden Beraters. Das scheint ein wichtiger Grund dafür zu sein, dass solche Fragen die Potenz haben, das Selbstbild von Klienten nachhaltig zu verändern. Und ein verändertes Selbstbild erleichtert entsprechende Verhaltensänderungen.

Die Tradition der "Expressive Arts Therapy" betont

"... den körperlich-sinnlichen Aspekt der Kunst, die starke imaginative Komponente und die andersartige Logik. ... Im künstlerischen Tun entdeckt man die Zusammenhänge aus der Gestaltung heraus, sozusagen ästhetisch, und weniger vor der Gestaltung, aus einer Idee heraus" (S.159/160*)

Wir verstehen den künstlerischen Prozess als "ein Hin-zum-Werk", wobei jedes Werk seine eigene Art hat, vollendet oder, wie Kinder sagen würden, "fertig" zu werden" (S. 211*). Indem künstlerisches Tun auf das gelingende Werk ausgerichtet ist, wofür die professionelle Person die Verantwortung trägt, ist es lösungsorientiert. Viele Klienten sind positiv überrascht über das, was in der Dezentrierungsphase entstanden ist. So kann man den künstlerischen Prozess als eine Substitution des ursprünglichen Anliegens durch ein alternativ spielerisch-künstlerisches Anliegen mit überraschender Lösung verstehen. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass Klienten am Schluss des Werkprozesses nicht nur positiv überrascht sondern auch innerlich berührt sind.

Fragen der professionellen Person, die innerhalb des Problemkontexts nach Ressourcen forschen, lenken die Aufmerksamkeit auf Wenig-Beachtetes. Sie wirken auch dann meist überraschend, wenn sich Beraterin und Klient daran gewöhnt haben, dass derartige Fragen immer wieder gestellt werden. Solche Fragen erschüttern bestimmte Überzeugungen und 'Glaubenssätze' der Klienten, die sich im Umkreis einer länger andauernden Problematik besonders gern bilden. Es sind Überzeugungen über die eigene Person, über die eigenen Fähigkeiten (häufiger: das eigene Unfähig-Sein), über die Beweggründe für das Verhalten wichtiger Personen und andere mehr.

BeraterInnen und TherapeutInnen, Coaches und SupervisorInnen haben die Möglichkeit, ihre KlientInnen durch ressourcenorientierte Haltung und lösungsorientierte Fragen und durch die Schönheit des in der Dezentrierung entstandenen Werkes auf wertschätzende Art zu konfrontieren. Das ermöglicht nachhaltige positive Wirkungen.

* Zitat aus: Herbert Eberhart & Paolo J. Knill. Lösungskunst. Lehrbuch der kunst- und ressourcenorientierten Arbeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009