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Herbert Eberhart / Paolo J. Knill

Lösungskunst

Lehrbuch der kunst- und
ressourcenorientierten Arbeit

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2009

Kunst und Beratung

Künstlerische Dezentrierung in Beratung und Therapie

BeraterInnen und TherapeutInnen bewegen sich in ihrer beruflichen Tätigkeit vorwiegend mit Sprache. Auf der Grundlage einer wertschätzenden Beziehung versuchen sie, durch Worte Wirkung zu erzeugen. Dabei ist oft wenig bewusst, wie stark die Sprache durch Festschreibungen und Stereotypien eingeschränkt ist. Michael White (z.B. M.White (1989). Selected Papers. Adelaide) hat aufgezeigt, wie sich vor allem Problemgeschichten von PatientInnen durch eine armselige Sprache auszeichnen. Durch den Einsatz von Kunst und Spiel in Beratung und Therapie erschliessen sich in solchen Situationen ganz neue Möglichkeiten.

Auszug aus: Herbert Eberhart & Paolo J. Knill, Lösungskunst:

Künstlerisches Tun eröffnet neue Spielräume

... neu stellt sich die Situation dar, wenn künstlerisches Tun ins Spiel kommt. Wir verstehen darunter u.a. kurze, episodenhafte Aktivitäten, wie etwa eine Rhythmusimprovisation mit verschiedenen Takes oder eine Installation mit alltäglichen Gegenständen, in der für die Platzierung der einzelnen Teile ästhetische Gesichtspunkte wegleitend sind. Die Art, wie wir Künstlerisches einsetzen, mit einfachsten Mitteln und gleichzeitig grosser Präsenz, begleitet von neugieriger Wertschätzung, ergibt einen Prozess mit ungewohnten und überraschenden Wendungen. Dieser Ablauf, gleichzeitig ausgerichtet auf das, was wir "Werk" nennen, verunmöglicht weitgehend stereotypes Tun. Durch die Art der Einführung ... werden Neugier und Experimentierfreude angeregt. Nicht die Reduktion auf so genanntes Wesentliches ist das Ziel, sondern Anreicherung, Vielfalt und Perspektivenreichtum. Wird künstlerisches Tun innerhalb einer Beratungs- oder Therapiesequenz als Episode eingesetzt und in einer bestimmten Art in den Gesamtablauf einbezogen, so nennen wir das eine Dezentrierung. Diese Bezeichnung steht für die zeitlich begrenzte Distanzierung von dem im Zentrum stehenden Anliegen (de-zentrieren) und - bei dem hier beschriebenen Vorgehen - die Zuwendung zu einem künstlerisch-spielerischen Tun. Das Verfahren ist unter dem Titel "Intermodales Dezentrieren IDEC®" registriert worden. Das Adjektiv "intermodal" weist darauf hin, dass verschiedene künstlerische Medien zur Anwendung kommen und etwas mittels mehrerer Disziplinen angereichert und vertieft werden kann. Beispielsweise kann mit einer einfachen Installation begonnen werden, die anschliessend poetisch interpretiert und zum Schluss in eine Bewegung übertragen wird.

Herbert Eberhart & Paolo J. Knill. Lösungskunst. Lehrbuch der kunst- und ressourcenorientierten Arbeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009