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Herbert Eberhart / Paolo J. Knill

Lösungskunst

Lehrbuch der kunst- und
ressourcenorientierten Arbeit

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2009

Auf dem Weg zum "Lösungskünstler"

Prozessorientierung

Wer sich auf den Weg zur Lösungskunst macht, muss bereit sein, auf Kontrolle zu verzichten. Die professionelle Person hat es nicht "im Griff", ob der Prozess, auf den sie sich mit Klienten einlässt, gelingt. Aber sie kann Einiges für dieses Gelingen tun.

Wertschätzende Neugier

Basis für das Gelingen ist die Gestaltung der professionellen Beziehung.

Wir umschreiben die Beziehungsgestaltung mit "wertschätzender Neugier" und betonen damit die offene, überraschungs-freundliche Haltung der Beraterin.

Die Neugier ist wertschätzend. Damit wird sie abgegrenzt gegen die Neugier eines Sherlock Holmes. Sie ist wertschätzend gegenüber der Person des Gegenübers, nicht unbedingt gegenüber dem, was er/sie tut und noch weniger gegenüber den Ideen, die die Person über sich und ihr Tun entwickelt hat. Immer aber billigt sie dem Gegenüber "gute Gründe" zu für das, was es denkt und tut.

Aufmerksamkeitsfokus auf "Ressourcen"

Es gibt keine menschliche Existenz ohne Ressourcen. Im Gegensatz aber zu unseren Gedanken über das Leiden, über Missgeschicke und eigenes Ungenügen, wissen viele Klienten wenig über ihre Ressourcen. Sie sind irgendwie "zu selbstverständlich", weil unproblematisch. Ressourcen müssen entdeckt, konkret: erfragt werden. Sie sind zuerst einmal dort zu finden, wo sich etwas in einer spezifischen Situation bewährt hat.

Ressourcen liegen aber auch in der Zukunft. Es sind zum Beispiel die jeweiligen Vorstellungen über "gute Zukünfte". Je konkreter und spezifischer jemand darüber sprechen kann, desto konkreter wird auch deren "Ressourcen-Charakter" sichtbar.

Der Umgang mit künstlerischem Tun

Künstlerisches Tun auf der Basis von "low skill - high sensitivity" ist körperlich-sinnliches Tun, das auf Gelingen ausgerichtet ist.

Es geht nicht um eine Annäherung an Hochkunst oder zeitgenössisches Kunstschaffen. Es gibt kein "richtig" oder "falsch". Es geht um die Freude am Tun oder/und die Bewältigung einer Herausforderung. Dafür ist eine professionelle Rahmung und immer wieder auch die Unterstützung durch die professionelle Person nötig.

Kunst und Spiel kreieren eine eigene Welt mit eigener, innerer Logik. Für alle, die der Psychologie nahe stehen, bedeutet dies ein Abschiednehmen von der Vorstellung, via Kunst ins "Eigentliche" der Person Einblick zu gewinnen.